Ein Wechsel, zwei Perspektiven
Miguel
Per 1. Oktober 2026 verlasse ich das Winterthurer Stadtparlament. Gründe sind meine berufliche Weiterentwicklung und mein bevorstehender Wegzug aus Winterthur. Ich freue mich sehr auf diese neuen Kapitel und blicke gleichzeitig mit viel Dankbarkeit auf die vergangenen 22 Monate zurück, in denen ich politisch, rhetorisch und zwischenmenschlich viel lernen durfte.
Mia
Als ich im März auf Listenplatz vier antrat, habe ich nicht damit gerechnet, so schnell ins Parlament einzuziehen. Aber da bin ich: mit vielen Ideen, wenig Erfahrung, aber grosser Motivation. Ich habe 2024 meinen Bachelor in Politikwissenschaften abgeschlossen und arbeite derzeit als Campaignerin.
Was uns politisiert
Miguel
Mit Stolz blicke ich auf die gemeinsame Zeit mit der AL Winterthur zurück: Ich durfte einen intensiven Wahlkampf miterleben und mitgestalten und mich im Parlament für Themen einsetzen, die mir wichtig sind.
Mia
Aufgewachsen in einer sehr politischen Familie, nahm ich schon im Primarschulalter an Demonstrationen teil. Politisiert war ich also eigentlich schon immer. Eigenständig aktiv wurde ich mit etwa 14 Jahren durch den Klimastreik, ein Thema, das mich bis heute intensiv beschäftigt.
Wofür wir Politik machen
Miguel
Einen besonderen Schwerpunkt bildeten für mich Kinder, Familien und die Kinderbetreuung. Mit meinen Vorstössen konnte ich Fragen rund um Betreuung, Fachpersonen und die Rahmenbedingungen für Kinder und Familien auf die politische Agenda bringen. Ein Engagement, das mich auch künftig begleiten wird.
Mia
Mich bewegt die enorme Ungleichheit unserer Gesellschaft, global wie auch in der Schweiz. Besonders sichtbar wird sie für mich in der Wohnpolitik: Während wenige mit Immobilien Profite erzielen, wird bezahlbarer Wohnraum für viele immer schwerer zugänglich.
Genau deshalb will ich mich im Parlament für eine Stadt einsetzen, in der die Interessen der Menschen an erster Stelle stehen. Ein paar zusätzliche gemeinnützige Wohnungen reichen dafür nicht. Es braucht einen grundlegenden Wandel hin zu einer genossenschaftsbasierten Wohnpolitik und einem Recht auf Wohnen für alle. Dafür setze ich mich auch in der Aufsichtskommission ein.
Haltung zeigen
Miguel
In der Fragestunde habe ich unter anderem Fragen zu Femiziden und zu den fehlenden Parkmöglichkeiten für Spitex-Mitarbeitende gestellt. Mit persönlichen Erklärungen zum andauernden Genozid in Gaza sowie zu den bekannt gewordenen Missbrauchsfällen in Winterthur und Bern habe ich mich zu Themen geäussert, bei denen ich nicht einfach schweigen wollte.
Mia
Noch immer fällt alle zwei Wochen eine Frau in der Schweiz einem Feminizid zum Opfer. Noch immer besitzt das reichste 1% der Schweiz fast die Hälfte des Gesamtvermögens. Das ist für mich kein Zufall, sondern das Resultat eines Systems, das Profit vor Umverteilung und soziale Gerechtigkeit stellt. Genau diesem System will ich im Parlament entgegenwirken.
Was bleibt und was kommt
Miguel
Diese 22 Monate haben mir gezeigt, dass parlamentarische Arbeit aus sehr unterschiedlichen Dingen besteht: aus Vorstössen und Debatten, aus Kommissionsarbeit, aus Zuhören, Widersprechen und manchmal auch daraus, öffentlich Haltung zu zeigen. Besonders stolz macht mich, dass mein erster eingereichter Vorstoss zum Sommertheater nun mit der Sanierung des Stadtparks ein konstruktives Ende gefunden hat. So eine Form der Selbstwirksamkeit zu erleben, gehört zu den positiven Aspekten des politischen Engagements. Ich bedanke mich für die vielen wohlwollenden und auch nachsichtigen Begegnungen, insbesondere innerhalb der Fraktion Grüne/AL, aber auch während meiner kurzen, aber dennoch lehrreichen Zeit in der Aufsichtskommission. Mein Dank gilt auch der Winterthurer Bevölkerung, für die ich im Ratssaal an der Marktgasse politisch tätig sein durfte. Darauf bin ich stolz.
Mia
Speziell freut mich, dass mit Rona und mir nun zwei der drei AL-Sitze von Frauen besetzt sind. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihr und Roman und bin überzeugt, dass ich viel lernen und ein Winterthur für uns alle mitgestalten kann.
Zum Weitergeben und Weitergehen
Miguel
Meiner Nachfolgerin Mia wünsche ich für ihre bevorstehende Aufgabe vor allem eines: politische Geplänkel, Diskurse und Debatten nicht persönlich zu nehmen, sondern ihnen sachlich, argumentativ und selbstbewusst entgegenzutreten.
Herzlichst,
Miguel Pedro Bachmann
Mia
Miguel danke ich für seine tolle Arbeit, insbesondere für seinen unermüdlichen Einsatz in der Familienpolitik und Kinderbetreuung. Ich bin bereit, den Diskurs im Parlament weiter nach links zu verschieben und freue mich auf die Herausforderung.
Herzlichst,
Mia Speck