Stellungnahme zum Anschlag am Hauptbahnhof

Wir sind erschüttert über den Messerangriff in Winterthur. Unsere Gedanken sind bei den verletzten Menschen und ihren Angehörigen. Eine solche Tat ist durch nichts zu rechtfertigen.

Gleichzeitig lehnen wir es entschieden ab, diesen Angriff für rassistische Hetze und politische Stimmungsmache zu missbrauchen. Aus der Tat eines Einzelnen darf kein Generalverdacht gegen ganze Bevölkerungsgruppen konstruiert werden.

Ebenso klar ist jedoch: Islamistischer Extremismus, die Ideologie des IS und jede Form religiös begründeter Gewalt müssen unmissverständlich verurteilt werden. Religiöse Radikalisierung ist eine reale Gefahr und muss ernst genommen und bekämpft werden – ohne dabei ganze Religionsgemeinschaften oder migrantische Menschen kollektiv verantwortlich zu machen. Das ist für uns Teil einer konsequent antirassistischen und antifaschistischen Haltung.

Gerade nach solchen Ereignissen erleben viele Menschen Angst, Verunsicherung und Wut. Dieses Sicherheitsbedürfnis ist real und muss ernst genommen werden. Sicherheit entsteht jedoch nicht durch pauschale Verdächtigungen, rassistische Hetze oder immer härtere Strafpolitik. Sicherheit entsteht dort, wo Menschen nicht alleine gelassen werden – wo Zusammenhalt stärker ist als Isolation, Konkurrenz und gesellschaftliche Ausgrenzung.

Dazu gehören soziale Sicherheit, niederschwellige psychologische Unterstützung, funktionierende Präventionsangebote und ein Gesundheits- und Psychiatriesystem, das Menschen rechtzeitig auffängt. Wenn Menschen in Krisen wegen Überlastung, Personalmangel oder Kostendruck nicht genügend Unterstützung erhalten, können zusätzliche Risiken entstehen – für die Betroffenen selbst und für die Gesellschaft insgesamt. Wer bei psychischer Gesundheit, Prävention und sozialem Zusammenhalt spart, schafft nicht mehr Sicherheit, sondern mehr Unsicherheit.

Wer jetzt versucht, Muslim*innen oder Migrant*innen kollektiv verantwortlich zu machen, verschärft die Situation nur weiter. Viele Menschen, die migrantisch gelesen werden, werden nach solchen Taten selbst zur Zielscheibe von Hass, Misstrauen und Anfeindungen. Ihnen gilt unsere Solidarität.

Es braucht eine ernsthafte, systemkritische Diskussion über Gewalt, Radikalisierung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Eine solidarische Gesellschaft zeigt sich aber auch gerade in schwierigen Momenten: in Mitgefühl mit den Opfern, im Schutz von Minderheiten und in dem gemeinsamen Willen, Gewalt zu verhindern, bevor sie entsteht.