Immer wieder ist es erstaunlich, dass auch politisch erfahrene Leute sich Illusionen darüber hingeben, was sie mit ihrer konkreten Stimmabgabe bewirken oder eben auch nicht. Auf der Strasse, beim Einkaufen oder im Gespräch mit Bekannten hört man oft: «Ich wähle euch» oder «Ich habe dich gewählt». Zwar haben etliche von ihnen vielleicht bloss einzelne AL-Kandidat:innen auf einer Liste von SP oder Grünen hinzugefügt (im Fachjargon «panaschiert»), sind aber überzeugt, damit einen wirkungsvollen Beitrag für eine starke AL-Fraktion im Stadtparlament geleistet zu haben. Sie täuschen sich.
Vor vier Jahren fehlten der Alternative Linken Winterthur nur 30 Parteistimmen für einen zusätzlichen, dritten Sitz im Stadtparlament. Jede Stimme zählt also wirklich – aber nur, wenn sie richtig abgegeben wird!
Es sind die Parteistimmen, stupid!
Natürlich ist es schmeichelhaft, wenn Kandidat:innen persönliche Sympathiestimmen auf anderen Listen erhalten. Aber: Ausschlaggebend für die Sitzzuteilung sind die Parteistimmen. Die Zahl der Parteistimmen entspricht der Zahl der zu vergebenden Sitze. In Winterthur kann jede:r Wählende 60 Parteistimmen abgeben.
Optimale Unterstützung: Liste 8 unverändert
Wer die Alternative Linke optimal unterstützen will, legt die AL-Liste 8 unverändert ein. Das machen in der Regel rund zwei Drittel der AL-Wähler:innen so. Damit erhält die AL alle 60 möglichen Parteistimmen. Auch wenn einzelne AL-Kandidat:innen auf der Liste 8 doppelt aufgeführt werden — im Fachjargon «kumuliert» — und dafür andere gestrichen werden, verändert das nur die interne Reihenfolge und es gehen immer noch alle 60 möglichen Parteistimmen an die AL. Das Gleiche gilt, wenn einzelne Kandidat:innen auf der AL-Liste gestrichen werden, ohne andere aufzuführen, denn auch leere Linien zählen für die Partei, die im Listenkopf aufgeführt ist.
Eiserne Regel: Beim «Panaschieren» immer AL Liste 8 nehmen!
Natürlich wählen heute immer mehr Menschen nicht einfach eine unveränderte Parteiliste, sondern ändern diese individuell ab und ergänzen sie mit Kandidierenden aus anderen Listen. Matchentscheidend ist dabei jedoch, welche Liste als Ausgangspunkt genommen wird. Das macht einen Riesenunterschied:
Wird die AL-Liste 8 genommen, drei AL-Kandidat:innen gestrichen und an ihrer Stelle zwei Grüne und eine SP-Person eingefügt («panaschiert»), erhält die AL immer noch das Gros der Stimmen: Die AL erhält nämlich 57 von 60 möglichen Parteistimmen (95%), die Grünen 2 und die SP 1.
Genau umgekehrt ist das Ergebnis, wenn eine andere Liste (z.B. Grüne oder SP) genommen wird und darauf z.B. drei AL-Kandidierende aufgeführt werden («panaschiert»): Die AL erhält bloss 3 von 60 möglichen Parteistimmen (5%), die andere Liste dagegen 57 (95%).
Klares Fazit: Panaschieren einzelner AL-Kandidat:innen auf anderen Listen bringt nur wenig. Wer eine gemischte Liste zusammenstellt, sollte immer die AL-Liste als Basis nehmen!
Neu: die leere Liste
Neu gibt es zum ersten Mal neben den Parteilisten auch eine leere Liste. Falls diese genommen wird, unbedingt im Listenkopf «08 Alternative Linke» ergänzen. Damit werden Linien, die leer gelassen werden, der AL gutgeschrieben, sonst verfallen sie ungenutzt.
Panaschieren von hinteren Listenplätzen lohnt sich nicht
Grundsätzlich gilt: Kandidierende auf mittleren und hinteren Plätzen haben kaum eine Wahlchance. Wer also eine hinten platzierte JUSO-Person auf der AL-Liste panaschiert, verhilft damit primär einer weiter vorne platzierten Mainstream-SP-Person zur Wahl.
«smartvote»-tutti-frutti bringt gar nichts
Der beschriebene Effekt gilt ganz besonders für individuell zusammengestellte Listen aufgrund der eigenen «smartvote»-Abfrage. Wer eine solche à-la-carte-Liste einlegt, begünstigt im Ergebnis nicht die vermeintlich favorisierten Kandidat:innen, sondern primär Kandidierende, die auf der jeweiligen Liste weiter oben sind.
Fazit: Jede Stimme zählt – wenn sie richtig zählt
Das Wahlsystem ist kompliziert, aber die wichtigste Regel ist einfach: Wer die Alternative Linke wirklich stärken will, nimmt die AL-Liste 8 als Basis. Nur so werden alle 60 möglichen Parteistimmen voll ausgeschöpft. Persönliche Sympathien für einzelne Kandidierende auf anderen Listen sind verständlich – aber sie sollten nicht dazu führen, dass der Grossteil der eigenen Stimmen einer anderen Partei zugutekommen.
Erinnern wir uns: Vor vier Jahren fehlten nur 30 Stimmen. Dieses Mal kann es die Alternative Linke schaffen – mit einer starken AL-Liste 8!